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Klassenkameraden treffen sich nach 50 Jahren wieder

Klassentreffen10b57

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Auf dem Kalandhof in Winsen fand das Klassentreffen der früheren Mittelschule Winsen statt. Ostern 1957 hatten die Teilnehmer ihren Abschluss in der Klasse 10b gemacht und begingen so nun ihr Jubiläum zum 50. Jahrestag. Dazu schickte uns Herr Dr. Walter Bernhardt, ehemaliger Schüler dieser 10. Klasse, folgenden Bericht:

Klassentreffen nach 50 Jahren

Ohne die vorbereiteten Namenschilder wäre das Wiedererkennen wohl schwierig gewesen. Fast genau 50 Jahre nach ihrer Entlassung aus der Kreismittelschule Winsen (Aller), der heutigen Heinrich-Pröve-Realschule, zu Ostern 1957 trafen sich 23 etwas älter gewordene Damen und Herren der Klasse 10b wieder. Fünf hatten abgesagt, drei waren verstorben. Die Allermeisten hatten in der Zwischenzeit keinen Kontakt miteinander gehabt. Dazu trug auch der Umstand bei, dass Beruf (oder Liebe) sie zerstreuten. Zwei hat es in die USA verschlagen, andere Adressen haben Postleitzahlen aus dem südlicheren Deutschland.
Aus den vor einem halben Jahrhundert so hoffnungsfroh "in das Leben Entlassenen" wurden Ingenieure, Unternehmer, Beamte, Journalisten. Einer hat als Ingenieur europaweit Gaskavernen hergerichtet, ein anderer Hochhäuser gebaut. Einige haben das Abitur gemacht und fanden sich nach dem Studium als Zahnarzt, als Leiter eines Amtes für Agrarstruktur oder als Akademiedirektor wieder. Pensioniert sind naturgemäß alle, auch wenn einer noch mit dem Aufbau einer Zahnklinik in Budapest beschäftigt ist und ein anderer seine Fabrik weiterführt, da er noch nach einem Käufer sucht. Ein Unternehmer, der seinen Betrieb gerade übergeben hat, stellt ernüchtert fest: "Ich möchte heute nicht mehr neu anfangen müssen."
Die Bauernsöhne sind der Scholle treu geblieben. Sie haben ihre Höfe modernisiert und inzwischen ihren Söhnen übergeben.
Einig waren sich alle darin, dass ihre Geburtsjahrgänge 1938 - 41 (übrigens der zweite Jahrgang der neu eingerichteten Mittelschule) einer Übergangsgeneration angehören. Sie haben die Beengtheit, den Mangel und teilweise auch die Not der Nachkriegszeit noch erlebt, aber auch Chancen wahrnehmen können, die das "Wirtschaftswunderland" bot. 1951 wurde noch in der alten Volksschule in Winsen unterrichtet, wo auch die Aufnahmeprüfung stattgefunden hatte. Dank der großen Energie ihres ersten Rektors Schrader wuchs der neue Bau der Mittelschule heran. Eigene Fachräume für Physik und Chemie oder gar Kunst waren selbstverständlich ebenso wenig bekannt wie eine Sporthalle, ein Schwimmbad oder ein Pausenraum. Man rückte zusammen, häufig im so genannten "Kabuff", einem winzigen Zimmerchen. Disziplinschwierigkeiten waren noch nicht üblich, der "Zeitgeist", vielleicht sogar der von 1968, "wurde erst später erfunden" sagte jemand. "Wir hatten die Nachkriegsatmosphäre". Der Rektor sah sich sogar zu der Bemerkung veranlasst, dass die briefliche Anredeformel "Euer Hochwohlgeboren" nicht angemessen sei. "Wir sind alle Hochwohlgeboren", wurden die Schüler belehrt, mit der Bitte, es an ihre Eltern weiterzugeben. Der Gruppenzwang, modische Modeartikel zu tragen, bestand auch noch nicht. Es konnte aber sehr wohl geschehen, dass ein Mitschüler einfach das Eintrittsgeld für eine Besichtigung während eines Schulausfluges nicht hatte. Dann organisierte der Klassenlehrer ein kleines Gedränge am Eingang, so dass die Zahl der Karteninhaber wieder stimmte.
Aber es ging immer weiter aufwärts. Das Schulgeld entfiel und die Möglichkeiten wuchsen, weiterführende Schulen oder gar Hochschulen zu besuchen. Und als diese Schülergeneration in den 60iger Jahren auf dem Arbeitsmarkt ankam, war niemand von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Chancen waren auch deswegen groß, weil die zwanzig Jahre Älteren auf den Schlachfeldern des Weltkrieges geblieben waren.
Natürlich stellt man beim Betrachten der alten Bilder fest, dass die "Mädchen" immer mehr erblüht sind, während die "Jungen" vom voran schreitenden Verwitterungsprozess erfasst wurden. (Abgesehen davon haben sie häufig auch erheblich an Umfang gewonnen.) Auch wenn es bei diesem Treffen nicht nach Rheumasalbe roch - natürlich werden im Waschraum auch schon mal Cholesterin- Blutdruck- und PSA-Werte ausgetauscht. Und natürlich kreisen die Gespräche auch um die gewonnene Erkenntnis "je älter ich werde, desto besser war ich".
Die Frage, ob es eine gute Schule war, hat Walter bei der Begrüßung mit den Worten beantwortet: "Sie hat bei uns den Appetit auf mehr Wissen geweckt. Und das ist wohl das Beste, was man von einer Schule sagen kann."
Ob man sich wieder treffen wird? Die Vorschläge schwanken zwischen "in einigen Jahren" und "nächstes Jahr". Bärbel aus Pennsylvania würde in einigen Jahren gerne dabei sein. Sie schreibt: "Dein Brief kam als Schock. Wie schnell sind fünfzig Jahre vergangen." Und voll grenzenlosem Optimismus fügt sie auch die Frage an, welche Lehrer denn zu diesem Treffen 2007 kommen würden. Hermann "the german" aus Wisconsin gestand, dass er Tränen in den Augen hatte, als er die Einladung zu dem Treffen las und sofort die Flugtickets kaufte.Eer würde jedes Jahr kommen, zumal er jetzt weiß, "how hübsch unsere Mädchen sind."
Walter Bernhardt

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Heinrich - Pröve - Realschule Winsen (Aller)