Impressum Kontakt
Disclaimer
Startseite
Aktuelles
Diverses
Prüfung und Abschlüsse
Historisches
Der Ganztag
Schulverein
Evaluation
Schulprogramm
Schulrundgang


bildschule

Wer war der Namensgeber unserer Schule -
Schulrat Dr. Heinrich Pröve?

                                               bildheinrich                                                                                                                                                                                              Heinrich Pröve wurde 1892 als ältester Sohn auf dem Kötnerhof Pröve, Dallmanns Twegte geboren. Sein Weg als Hoferbe war vorgezeichnet. Aber als er die damals schon dreiklassige Volksschule in Wathlingen 1907 durchlaufen hatte, benotete ihn der damalige Lehrer Richard Meyer in allen Leistungsfächern mit "sehr gut". Meyer und Pastor Wilhelm Adolf Rhode erkannten die Begabung und versuchten die Eltern davon zu überzeugen, dass dieser Junge Lehrer werden müsste. Der Vater war nicht begeistert, bei der Arbeit an der Kartoffelkuhle brachte die Mutter den Vater soweit, dass er sagte: "Lat'n hengahn". Das bedeutete harte Arbeit. Pastor Rhode unterrichtete ihn privat in Französisch, Geschichte, Raumlehre und so weiter unter Angabe der Lehrbücher Ploetz, Girardet, Rosenberg. Er bescheinigte ihm scharfen Verstand, leichte Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis in einem Eignungszeugnis für das Präparandeninstitut in Gifhorn.

 Es gab für Dorfkinder zu der Zeit keine Möglichkeit, in die Stadt zu fahren, um ein Gymnasium zu besuchen. Wenn die Eltern gut situiert waren, gaben sie ihre begabten Kinder in der Stadt in Pension. Aber das war wohl für Bauernfamilien in unserer Gegend mit den mageren Böden nicht möglich. Nach Gifhorn konnte man nur mit dem Kutschwagen fahren, und zu Beginn der Ferien wurde man wieder abgeholt. Nach zwei Jahren erhielt Pröve 1909 in allen Fächern gute Noten und damit die Befähigung in das Königliche Lehrerseminar Hannover einzutreten. Der Vater musste sich verpflichten, alle von der Anstalt in barem Gelde oder Naturalien erhaltene Unterstützung zu erstatten und außerdem als Entgelt für den Unterricht 30 Mark für jedes zugebrachte Halbjahr zu zahlen, wenn der Seminarist das Seminar wegen mangelnder Führung unfreiwillig verlassen müsste.

 Der Fall trat nicht ein. 1912 erhielt Pröve das "Zeugnis der bestandenen Entlassungsprüfung" des Königlichen Schullehrerseminars Hannover. Seine erste Lehrerstelle bekam Heinrich Pröve in Lüne bei Lüneburg, später wurde er nach Hänigsen versetzt. In Lüne fand er die Frau seines Lebens. Er verlobte sich mit der Junglehrerin Frieda Hövermann, ihr Vater war der verstorbene Lehrer des Ortes. 1914 begann der Erste Weltkrieg. Pröve nahm von 1915 bis 1918 - erst als Leutnant später als Kompaniechef in Flandern, Frankreich und Russland - daran teil. Im September 1916 fällt sein jüngerer Bruder Fritz Pröve. Während eines kurzen Fronturlaubs Silvester 1916 heirateten Frieda Hövermann und Heinrich Pröve im Familienkreis. Nach dem Krieg wurde Pröve Präparandenlehrer in Bederkesa, aber schon 1920 legte er seine Prüfung als Mittelschullehrer ab und bekam eine Anstellung an der Mittelschule in Celle. Pröve aber strebte weiter, machte ein Jahr später seine Rektorenprüfung. In diese Zeit fiel auch die Arbeit an dem "Wathlingen-Buch". 1925 erschien dann im Druck der Schulzeschen Buchhandlung in Celle die "Geschichte eines niedersächsischen Dorfes". 1985 wurde das Werk mit einem Vorwort von Bürgermeister Hans-Wilhelm von Reden wieder aufgelegt.

 Im Oktober 1924 entschloss sich Pröve, ein Universitätsstudium in den Fächern Geschichte, Pädagogik, Deutsch und Philosophie in Göttingen aufzunehmen. Das hört sich so selbstverständlich an, aber die Familie Pröve hatte inzwischen vier Kinder und der Lebensunterhalt musste sichergestellt werden. Die Mittelschule stellte ihn für drei Jahre frei, er musste aber von seinem Gehalt seinen Vertreter besolden. Heinrich Pröve nahm ein Darlehen auf, dafür übernahm sein Vater in Wathlingen die Bürgschaft, anders wäre das nicht möglich gewesen. Später in der Inflation musste Pröve das Darlehen mit sehr hohen Zinsen zurückzahlen. Das Landschaftliche Collegium des Fürstentums Lüneburg (Ritterschaft Schlossplatz) teilte ihm mit: "Es gereicht uns zum Vergnügen, Ihnen in Erwiderung auf Ihr Gesuch vom 17. Januar 1926 hierdurch mitzuteilen, das bei der diesjährigen Verleihung der Universitätsstipendien ein einjähriges Stipendium zum Betrage von 150 Mark halbjährlich bewilligt worden ist, bis Ostern 1927." Man will ein Ergänzungsprüfungszeugnis vorgelegt haben. Pröve musste trotz seines Studiums regelmäßig als Mittelschullehrer schriftliche und mündliche Ergänzungsprüfungen über mehrere Tage in Hannover absolvieren. Sein Studium schloss er mit der Doktorarbeit ab. Seine Dissertation "Dorf und Gut im alten Herzogtum Lüneburg" wurde 1929 bei Vandenhoek & Ruprecht in Göttingen verlegt. Im Juli 1930 wurde er vom Preußischen Ministerium zum Professor der Pädagogischen Akademie Hamburg-Altona ernannt. Die Familie zog nach Altona, und Pröve hatte ein großes Ziel erreicht, nämlich an einer guten Lehrerausbildung mitzuwirken. 1931 war das Jahr des großen Börsencrashs in New York, der sich weltweit niederschmetternd auswirkte. In Deutschland wurden die Brüningschen Sparverordnungen erlassen, das bedeutete viele Lehrerentlassungen in Preußen. Auch die Pädagogische Akademie in Altona wurde geschlossen und für Familie Pröve begann erneut eine sorgenvolle Zeit. Im Oktober 1932 wurde Pröve zum Schulrat in Emden ernannt, aber schon bald nach Burgdorf und 1934 nach Celle versetzt. In der Emdener Zeitung bedauerte man die Versetzung sehr, Lehrerkollegien und Elternschaft schätzten den wohlmeinenden Schulrat. - Seither ließ sich Pröve übrigens nicht mehr gern Professor nennen.

 In Celle widmete er sich nebenbei Vortragstätigkeiten im "Lönsbund", schrieb Aufsätze und Veröffentlichungen in der Celleschen Zeitung, im Speicher, im Celler Heimatkalender und so weiter über vielerlei Themen unserer niedersächsischen Region. Er arbeitete an Sprach- und Lesebüchern mit und schrieb für "Die Volksschule". 1936 wurde er Mitglied der "Historischen Kommission" für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Bremen, Schaumburg. Die Liste der Veröffentlichungen wäre seitenlang. Schon 1934 beauftragte Landrat Wilhelm Heinichen Heinrich Pröve, die Kreisbücherei zu übernehmen. Diese kleine Kreisbücherei war eine Wanderbücherei, es gab Leihkisten und die wanderten gefüllt in die Dörfer. In vielen Volksschulen des Landkreises war einer der Lehrer dafür zuständig die Ausleihe und den Umtausch zu organisieren, Die Kreisverwaltung stellte beachtliche Mittel frei. Heinrich Pröves Anliegen war die volkstümliche Bildung und so bekam jedes kleine Dorf im Kreis Celle eine Volksbücherei - das war 1941 vorbildlich in unserem Lande. Pröve wurde in den Schulaufsichtskreis Lüneburg berufen und wurde natürlich als Mitverfasser von "Schulbuch und Fibel" genannt. Schon 1936 erhielt er vom Wehrbezirkskommando langwierige Formulare zur Einberufung zum Wehrersatzdienst. Es wurden schwere Strafen nach dem Militärgesetz für unentschuldigtes Fernbleiben angedroht. 1937 und 1938 wurde er zum Ersatzdienst als Leutnant der Landwehr in Celle in der Heidekaserne eingesetzt. Vom späteren Kriegsdienst wurde er jedoch freigestellt.

Bei Kriegsende 1945 bekam Pröve eine Benutzungsgenehmigung der britischen Militärregierung für Kraftfahrzeug oder Fahrrad innerhalb des Landkreises Celle zum Besuch der Schulen. Das war ein Ausnahmezertifikat, denn Reisen war verboten und für jedermann galt eine Ausgangsbeschränkung. Auch Frieda Pröve erhielt eine Ausnahmegenehmigung, sie durfte am 10. Mai 1945 mit dem Fahrrad nach Wathlingen fahren, um den Garten zu bestellen. In den vielen vorangegangenen Jahren hatten die Pröve-Kinder ihre Ferien auf dem Bauernhof bei den Großeltern verlebt. Es war eine enge Beziehung zum Landleben da, und Heinrich Pröve unterhielt sich auch gern mal plattdeutsch. Seit dem Tode der Eltern verwaltete er seinen Hof in Wathlingen. Die Ländereien waren verpachtet, die Häuser vermietet und bei Kriegsende waren zusätzlich Flüchtlingsfamilien einquartiert.

 Im Mai 1946 wurde Pröve von der neuen Regierungspräsidentin namens der britischen Militärregierung aller Ämter enthoben, sein Vermögen und selbst sein Telefon gesperrt. Diese Nachkriegsjahre waren für alle deutschen Familien schwer. Im September 1948 bekam Heinrich Pröve seine Entnazifizierungsurkunde. Sohn Hans-Heinrich wurde im gleichen Jahr aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, so dass die Sorgen in der Familie allmählich weniger wurden. Im Juli 1949 bat der neue Regierungspräsident Heinrich Pröve um Mitarbeit bei Schulbuchüberprüfungen, Honorarmittel standen nicht zur Verfügung. Wörtliche Mitteilung: "Da Volks- und Mittelschulen unzulänglich mit Büchern versorgt sind, sollen sich erfahrene Lehrer zur Überprüfung aller bisherigen Ausgaben auf Bewährung, Ausstattung, Haltbarkeit, Preis, Brauchbarkeit, zur Beurteilung zur Verfügung stellen. Die Angelegenheit war vertraulich und dringend, da die Verlage bis Ostern 1950 zum Schuljahresbeginn mit dem Druck fertig sein wollen". Der Niedersächsische Kultusminister am 7. Dezember 1949 unter "Eilt": "Unter Vorbehalt der endgültigen Regelung Ihrer Rechtsstellung als Beamter beauftrage ich Sie mit sofortiger Wirkung mit der Verwaltung des Schulaufsichtsbezirks Celle-Nord."

 1950 im April wurde Pröve auf Lebenszeit wieder beamtet. Im Januar 1951 nahm Pröve in der Celleschen Zeitung Stellung zum Büchereiwesen, das nach 1945 zusammengebrochen war: "Es gibt ein Büchereigesetz. aber es gehören geeignete Menschen dazu, es umzusetzen. Die Lehrer in den Schulen, deren Werkzeug das Buch ist, wären die geeigneten Vermittler zu Kindern und Erwachsenen in ihrem Dorf. Die Kreisverwaltung ist die fördernde Institution." Nun wurde die Kreisbücherei auf dem Dachboden der Kreisverwaltung in der Speicherstraße wieder betrieben von der Bibliothekarin Margarete Homann. Das Tauschverfahren mittels Bücherkisten zu den Dorfbüchereien florierte wieder. 1951 stellte Heinrich Pröve ein neues Buch vor: "Der muttersprachliche Unterricht in der Volksschule". Seine Worte zur Volksschuleinweihung darin: "Ich wünsche dem Kollegium zu der notwendigen Verantwortung auch viel Freudigkeit und Fröhlichkeit, ohne die ein Schuldienst nicht gelingt. In Wathlingen, Lachendorf, Hermannsburg, bekamen die Volksschulen Anbauten, aber es war das Anliegen des Schulrates Pröve das Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land abzubauen. Er wollte die Bildung zu den Kindern auf das Land bringen. Zitat: "Die Mittelschulen seien für die großen Orte die richtige Schulform, da sie zwei Jahre mehr als Volksschulen enthielten, und die beste Vorbildung für die mittleren Stellungen schaffen würden."

 Celle konnte die Mittelschüler sowieso nicht mehr alle aufnehmen. Kreistag und Verwaltung mussten Auswege schaffen, es wurden die ersten Kreismittelschulen in Winsen und Bergen gebaut und 1953 auch in Westercelle. Heinrich Pröve und der damalige Oberkreisdirektor Axel Bruns gelten als ihre Mitbegründer. Im Jahre 2003 feierte die Mittelschule Westercelle ganz groß ihren 50. Geburtstag und Schulrat Pröve wurde dankend erwähnt. Nach Pröves Tod 1967 beschloss der Kreistag einstimmig, die Realschule in Winsen nunmehr "Heinrich-Pröve-Realschule" zu nennen. 1957 schied Heinrich Pröve mit 65 Jahren aus dem Schuldienst aus. Aus den vielen auch überregionalen Zeitungsartikeln ein Zitat: "Er kam nicht als strenger Vorgesetzter, sondern als wohlmeinender Ratgeber, aber er wusste sich Respekt zu verschaffen."

 1965 erhielt der Schulrat a. D. im Alter von 73 Jahren das Bundesverdienstkreuz. Aus der Rede des Regierungspräsidenten: "Während ihrer Amtszeit haben Sie ein großes Ansehen und Vertrauen genossen als Schulrat, Erzieher zum guten Buch, als Pfleger der deutschen Sprache, als Heimatforscher, als Beauftragter für Altertumspflege, im Ruhestand als Leiter des Büchereiwesens, als Mitarbeiter an Sprachbüchern und einem Wörterbuch für Kinder." Im August 1967 konnte Pröve den 75. Geburtstag im Kreise seiner großen Familie (vier Kindern, Schwiegerkindern und zehn Enkeln) feiern, geehrt und mit vielen guten Wünschen aus der Öffentlichkeit bedacht. Aber schon im November des gleichen Jahres war sein Leben beendet. Im Nachruf der Celleschen Zeitung von damals heißt es: "Sein Name und seine Werke werden immer in seiner geliebten niedersächsischen Heimat in Erinnerung bleiben."

 Quelle:  Sachsenspiegel 4/Cellesche Zeitung vom 29. Januar 2005: Marianne Mönke: Wer war Schulrat Dr. Heinrich Pröve?
Erinnerungen an einen verdienten Wathlinger – Sein Name und seine Werke werden immer in seiner geliebten niedersächsischen Heimat in Erinnerung bleiben
Bearbeitet und ergänzt von Matthias Blazek, Adelheidsdorf

 


                    


logoschule
bildheinrich
Heinrich - Pröve - Realschule Winsen (Aller)